. Oktober 2004
Beschluss der Vollversammlung des Diözesanrates der Katholiken
(mehrheitlich beschlossen)

Selbstverpflichtungserklärung der katholischen Kirche und Ihrer dazugehörigen Organisationen und Verbände gegen den Einsatz von grüner Gentechnik


Beschlusstext:


Begründung:

Die KLJB, Mitgliedsverband im BDKJ, beobachtet seit Jahren intensiv die Entwicklung der grünen Gentechnik (Veränderung des Erbgutes von Pflanzen). Die anstehende Zulassung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Europa (zum Beispiel Maiszünslerresistenter Saatmais) und der schleichende Einzug von Gentechnik in unseren Lebensmitteln ohne öffentliche Diskussion sind der Anlass für den Antrag. Die Menschheit steht vor einer wegweisenden Entscheidung für die Zukunft. Sie läuft Gefahr, sich unüberlegt für einen gefährlichen und falschen Weg der Gentechnologie zu entscheiden.

Gentechnik folgt dem Prinzip der technologischen Machbarkeit und betrachtet Lebewesen als zerleg- und veränderbares Material. Mögliche Konsequenzen für das Öko-System (zum Beispiel unkontrollierte Vermehrung gentechnisch veränderter Pflanzen, eingeschlossen umwelt- und gesundheitsschädlicher Resistenzen) sind zur Zeit nicht überschaubar und wären darüber hinaus irreversibel. Im Gegensatz dazu sieht Gott das Wohl des Menschen ganzheitlich und langfristig.

Gentechnologie widerspricht dem solidarischen Eine-Welt-Gedanken eines christlich orientierten Menschen. Gentechnologie trägt entgegen der Meinung von auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Agro-Konzernen nicht zur Verbesserung der Ernährungssouveränität von Entwicklungsländern bei. Im Gegenteil: Abhängigkeiten und Ungerechtigkeiten, die der Armut und dem Hunger zugrunde liegen, werden verschärft. In einem weltweit kapitalorientierten Wirtschaftssystem werden rechtswidrig patentierte Technologien die arme Landbevölkerung in Afrika, Asien und Lateinamerika weiter zurückdrängen und in ein finanziell total abhängiges Agrarsystem führen.

Eine Koexistenz von gentechnisch veränderten und unveränderten Pflanzen ist trotz zahlreicher Vorkehrungen, wie zum Beispiel Schutzabständen, nicht möglich. Damit ist die wirtschaftliche Existenz von zahlreichen Landwirten gefährdet.